Freitag, 28. Juli 2017

Farbvererbung bei Schafen - das Buch

Farbvererbung bei Schafen ist gar nicht schwer. Eigentlich. Also so grundsätzlich....
Manchmal muß man halt puzzeln und es dauert ein Weilchen, bis man die Randteile gefunden hat. So vor nem Jahr oder anderthalb hab ich mit Saskia gepuzzelt. Oder wie Saskia es beschrieben hat: Das ist wie Mastermind! Und DABEI kamen wir auf die Idee, daß man doch die Grundlagen - die Spielregeln - mal zusammenschreiben könnten. So als Buch.

Und jetzt sind wir in der Endphase! Ich bin total begeistert!

Einen Verlag haben wir nie gesucht. In einem beiläufigen Gespräch hat sich mal was ergeben aber da war schnell klar, daß die Leserschaft wohl nicht sooo groß sein wird, daß sich die Investition für einen Verlag lohnt.
Und ich bin so froh darüber! Also nicht über die kleine Leserschaft! Das wird ein super Buch für jeden, der gerne bestimmte Farben in der Herde haben oder nicht haben möchte. Erklärt für absolute Einsteiger.

Aber die Entscheidung, das komplett selber zu machen, war super! Ist super.
Ich weiß jetzt zu schätzen, was Setzer und Layouter leisten! Hollaheh!
UND: Ich weiß jetzt auch, was die Präsentation für einen Unterschied macht! Also so richtig!

Buch Farbvererbung


Ich hab irre viel gelernt. Über Schriftarten und Satzzeichen. Und Buchsatz und Design im Allgemeinen. Und beim nächtelangen Rumfrickeln fällt so richtig auf, daß es anders nicht sein dürfte. Das ist der Vorteil und der Nachteil beim Self Publishing. Man muß es selber machen. Aber man macht ein Gesamtkonzept. Und wir machen das zu zweit. Irgendwie passt alles… Wir wohnen zu weit auseinander, um ständig alles persönlich zu besprechen. Ein gemeinsames Arbeitswochenende wie das letzte ist super. Super anstrengend und super effektiv. Und dann hat man wieder Abstand und seinen ganz eigenen Blickwinkel.

Hab ich erwähnt, daß ich begeistert bin? Ich hätte gerne mehr Handwerkszeug und mehr Wissen, die Ideen professionell umzusetzen - das geht bestimmt alles einfacher und schneller - aber es sind UNSERE Ideen, die da umgesetzt werden. Von vorne bis hinten.

Sonntag, 25. Juni 2017

Nix genaues weiß man nicht - Farbgenetik bei Pommernschafen

Pommernschafe mag ich echt gerne! Vor allem ihre Wolle! Das rauhwollige Pommersche Landschaf - so heißen die mit vollem Namen...
Wobei "rauh" wohl ursprünglich "grau" hieß. Also "grauwolig" statt "rauhwollig" - was viel besser paßt! Die Wolle ist nämlich eine super Handspinnerwolle und gibt mitnichten ein rauhes, kratziges Garn.

Pommernwolle
Und Pommernwolle gibt es in herrlichen Grautönen. Pommernschafe sind nämlich alle grau. Soweit so gut. Nur: "Was für ein grau"? Genetisch?
Farbgenetisch kann hinter "dieses Schaf hat graue Wolle" alles mögliche stecken.
Wie kommt es, daß ein Schaf grau aussieht? Erstmal braucht es den grundlegenden Farbstoff für "schwarz". (Die einzige Alternative bei Schafen ist "Grundfarbe braun".)
Mit dem Tuschkasten mische ich grau aus schwarz und Deckweiß. (Wenn ich braun und Deckweiß nehme, wird es beige oder hellbraun oder so Farbtöne, deren Schreibweise ich erst nachschlagen müßte).
Als Deckweiß nimmt das graue Schaf weiße Haare. Die mischt es zwischen die schwarzen - eins neben das andere - und dadurch wirkt es grau. (Ist jetzt arg vereinfacht aber das ist das Prinzip)
Welche Genetik hinter dem "Deckweiß" der Pommern steckt ist deshalb spannend, weil es nicht ganz das übliche ist. Bei "normalen" grauen Schafen ist dafür ein Mustergen zuständig: Agouti grey. Das verursacht graue Wolle am Körper und ein ganz klassisches Muster an Kopf und Beinen: Das Schaf hat helle Haare am Maul (ein "Mehlmaul") und helle Augenringe und es hat einen hellen Haarkranz über den Klauen. Und eine rosa Zunge.
Hier mal das "normale grau" bei einem Shetland-Mix: Agouti grey, Muster grau, Schimmel, blau .... es hat viele Namen ... (Das Muster. Nicht das Schaf. Das heißt Islay.)

Agouti grey (Shetlandschaf X Skudde)
All das haben Pommernschafe nicht. Sie haben einen schwarzen Kopf und schwarze Beine und eine dunkle Zunge.
Es gibt noch ein Muster mit grauer Wolle: English blue. Das hat am Kopf ganz charakteristische Tränenflecken und eine ganz spezielle Verteilung von grau am Körper. Als Beispiel eine Skudde:
English blue (Skudde)
English blue (Skudde)
-Da Pommern keine Tränenflecken haben, sind sie auch nicht english blue.
Was dann?
Sie könnten einfach "altersgrau" sein! Also eigentlich schwarze Schafe, die extrem jung ergrauen! (Gibt es bei Menschen ja auch). Dann allerdings müßte sich die Farbe genetisch so verhalten, wie ein Schaf OHNE Muster. (Solid, einfarbig, ganzfarbig, non-agouti) und einfach "versilbern".
Da bei Pommern nur diese eine Farbe zugelassen ist, kann man sehr schwer nachverfolgen, ob das so ist. Wie verhält sich Pommerngrau in Kombination mit anderen Mustern? Mustern wie "solid/einfarbig"? Oder ist es ein ganz eigenes Agouti-Muster, das bisher nicht beschrieben ist? (Oder eines von den "Gotlandgrau"-Varianten?)
Es gibt dieses "Pommerngrau" auch z.B. bei Skudden. Da es bei denen auch noch weitere Varianten gibt, kann man beobachten, was in Kombinationen passiert. Nur leider kann man nicht mit Gewissheit sagen ob das, was man bei Skudden beobachtet, das gleiche ist, wie bei Pommern. Ganz verschiedene Ursachen können einen ganz ähnlichen Effekt haben.
Um zu sagen, wie die Farbgenetik bei Pommern ist, müssen auch Pommern im Spiel sein!
Eigentlich.... wollte ich mich mit der Farbgenetik der Pommern gar nicht beschäftigen.... Aber manchmal stolpert man über ein Bild und ist fasziniert! Dieses Bild, das mich fasziniert hat, stammt von Karin Söder und war der Auftakt eines spannenden und für mich sehr lehrreichen Austauschs!
Karin ist von den "shades of grey" bei den Pommern ebenso fasziniert wie ich. Außerdem ist sie Pommernzüchterin in meiner alten Heimat Rinteln!
Ich beobachte und bin fasziniert und habe eine Liste an Möglichkeiten im Kopf.
Nix genaues weiß man nicht, kann dieses oder jenes sein.
Aber dieses Bild macht einige von den Möglichkeiten auf meiner Liste unmöglich:

Pommernschafe in verschiedenen Varianten von "grau"
In der Mitte ein Pommernschaf in der gewünschten Farbe. Links daneben eins mit den charakteristischen "Abzeichen" eines Schafs mit dem klassischen "Muster grau". Mehlmaul, Augenringe - und weil im exakt richtigen Moment ausgelöst wurde, sieht man sogar die rosa Zunge! Ganz rechts die Variante English blue - mit Tränenflecken!

Ein geniales Bild! In der Herdbuchzucht werden nur Tiere eingesetzt, die farblich dem Zuchtsziel entsprechen und auch diese beiden stammen von "korrekt pommerngrauen" Eltern.
Damit fällt eine Möglichkeit weg: Pommerngrau ist nicht solid/einfarbig schwarz mit früher Ergrauung! Einfarbig wird nämlich von allen Mustern übermalt. Unter einfarbig kann sich kein Muster verstecken. Es ist immer sichtbar! Die Elterntiere hätten ebenfalls Mehlmaul oder Tränenflecken haben müssen!
Pommerngrau kann auch kein eigenes Muster sein - also in einer Reihe stehen mit Agouti grey und english blue - denn Muster addieren sich. In Mustermixen sieht man immer beide Muster. ("Einfarbig" ist farbgenetisch auch ein "Muster" - nur sieht man von dem nix mehr, wenn man ein anderes addiert).
Wie kann das nun sein, daß perfekt pommerngraue Elterntiere immer mal wieder solche Lämmer bekommen?

Da verstecken sich "Muster" unter dem Pommerngrau! Irgendwas malt die Muster über! Zumindest in Gesicht und Beinen! Am Körper werden sie ja genauso grau.

Es gibt verschiedene "Dunkelmacher" bei Schafen. Die sind nicht im Detail bekannt. Erst recht ist nicht bekannt, welche Gene sich dahinter verbergen und wie genau das funktioniert. Hätte ich Pommern, würde ich jetzt mal ein paar Kreuzungsexperimente starten. Aus reiner Neugierde!
Ich hab aber keine. Aber ich kenne Leute mit Pommern, die sie für Gebrauchskreuzungen und/oder in lustig bunten Mixherden einsetzen! Bei zweien kenne ich die Eltern/Großeltern/Urgroßeltern gut genug, um mir über DEREN Beitrag zur Farbgenetik sicher zu sein.

Bevor ich zeige, was da passiert, möchte ich erstmal das Muster zeigen, das das "nicht-Pommernschaf" bei diesen Mixen beigetragen hat. Das Muster stammt von verschiedenen Shetlandschaf-Vorfahren. Dort heißt es katmoget, bei anderen Schafen Badgerface. Hier also mal katmoget beim Shetlandschaf. Gleich dreimal:

Shetlandschafe katmoget
Die Böcke in den besagten Mixherden vererben dieses Muster. Auch in den Mixherden tun sie das ganz klassisch vorhersagbar. Außer mit Pommern.

Und hier die spannenden Mixe. Katmoget trifft Pommerngrau:

Pommernmix
Man sieht das Muster schon noch  aber... DA MALT DOCH EINER DUNKEL DRÜBER!
Ein anderes Lamm von einer anderen Züchterin. Pommernmutter und Shetlandbock. Die Elterntiere der beiden Lämmer sind nicht verwandt.

Mixlamm Shetlandschaf X Pommern
Und hier das Lamm von eben mit ein paar seiner Halbgeschwister aus Mixmüttern. Teils mit, teils ohne Pommernanteil.

Mixlämmer Shetlandschaf X Pommern
Wer hätte gedacht, daß in einer Rasse, die es nur in einer einzigen "Farbe" gibt, die Farbgenetik extra spannend ist? Und ganz besonders kniffelig, zu enträtseln! Man kann ja nicht einfach ein pommerngraues Pommernschaf mit einem braunen Pommernschaf  nehmen, um Antworten zu bekommen. Braune Pommernschafe gibt es nicht.... Obwohl.... Nur, weil etwas nicht im Zuchtziel - dem Standard - definiert ist, ist es nicht automatisch nichtexistent. Wäre ja auch langweilig.

Auch bei Pommern gibt es die Genetik für die Grundfarbe braun! Nur ist die Chance, daß zwei Pommern mit dieser Genvariante aufeinandertreffen, sehr klein. Und die Chance, daß daraus dann auch ein braunes Lamm entsteht, ist auch nicht groß. Also insgesamt seeeehr unwahrscheinlich! Aber bei den Mixen hat sich eine Pommernmutter als genetischer Braunträger enttarnt! (Braun als Grundfarbe kommt nur dann zustande, wenn beide Eltern "braun" beisteuern.)

Pommernmix in braun


Freitag, 16. Juni 2017

Der kleine Käpt'n Mini Moi

Der verdient eigentlich eine eigene kleine Geschichte. Kommt noch. Irgendwann. Ich will ihn nur schon mal erwähnt haben.

Als Lammbock kann man bei mir zwei Strategien verfolgen für Bleiberecht. Die eine ist: "Unglaublich schön sein". Also so richtig umwerfend. Da meine eigene Nachzucht ja üblicherweise mit dem Rest der Bande verwandt ist, ist das nur ein Bleiberecht auf Zeit. Bis ich mich satt gesehen habe.
Die andere Strategie ist: "Ins Herz hüpfen!". Mit Schwung. Das hat der kleine Käpt'n Mini Moi geschafft. Der bleibt. Als Hammel.
Dieses Jahr heißen die Jungs nach Kapitänen. Ja - auch die Jungs kriegen Namen. Ich kenne meine Schafe. Ob ich da nen Namen dran hänge oder ne Nummer. Und bei den paar Hanseln die ich habe, sind Namen einfacher und besser zu merken.
Ich finde nicht, daß Namen "persönlicher" sind, als die Schafe ohne Namen zu haben.
Also dieses Jahr Käpt'n. Nach echten oder fiktiven Kapitänen. Wobei die fiktiven von anderen erdacht wurden. Nur der Mini Moi - der ist einer von denen, die einen Namen mitbringen. Die guckt man an und die heißen einfach so. Als Winzling geboren, deutlich kleiner als sein Zwilling, war er halt einfach von Anfang an der Mini Moi. Wenn man dann noch einen drauf setzen will als Lamm, damit das Bleiberecht sicher ist, dann macht man irgendwas, was mir Sorgen macht. Der Mini Moi probiert es mal mit Eiter im Ohr. Klappt. Ich beobachte mit Sorge! Könnte er aber einfach lassen - der bleibt eh... Ich hoffe, das sieht morgen schon besser aus.

Ich glaub, ich komm nur deshalb zu nix, weil ich jeden Tag nach der Arbeit auf der Wiese sitze und verzückt die Schafe beobachte. Lämmer sind so ..... echt. Die erden mich. Tackern mich fest.
Dann ertappe ich mich wieder, wie ich auf Landkarten starre...

Derweil schnüren mich diese und andere kleine Lämmer hier fest:



Gestern fragte jemand nach Hebridenschafen und mir ist aufgefallen, daß ich nie geschrieben habe, wie ich sie dann doch noch gefunden habe. Und dann fiel mir doch glatt die Schäferin auf Skye ein, die mir ihre Böcke gezeigt hat und dabei über ihren englischen Nachbarn schimpfte. Ich war mir nie sicher, ob sie die Anatomie der Böcke beschreibt oder ihn... Ich sollte doch mal alles zusammenschreiben. Da sind schon witzige Anekdoten dabei!
Aber  so wirklich leicht fällt mir das immer noch nicht.... und "ordentlich" schreiben statt bei den Schafen zu hocken, geht eh frühestens im Herbst!

Dienstag, 6. Juni 2017

the loo at the light, the light, and Lou

Ich lass mich aber auch leicht ablenken! Für den Feiertag gestern hatte ich mir beispielsweise ganz fest vorgenommen, mich zu langweilen! Ist auch nix draus geworden!
Und gerade hat mich mein Telefon mit "heute vor zwei Jahren" Bildern abgelenkt. Heute vor zwei Jahren habe ich einen Blick auf die Schottlandkarte geworfen und eine lange, lange Straße gesehen, die am Meer endet. Sackgasse. Mit Meer am Ende und nem Leuchtturm. Da gibt es nix zu überlegen, da muß man hin!


Als Bonus gab es da nicht nur nen Leuchtturm sondern auch ein Kompostklo. Das "loo at the light". Samstags geschlossen. Und "due to the exposed location the toilet will be closed in strong winds".


Solche Straßen sind faszinierend. Hier geht es doch noch weiter... aber nicht endlos. Man ahnt, oder man weiß, daß irgendwo Schluß ist. Was ist da? Wer ist da?

Ich weiß gar nicht, ob diese Erinnerungen von meinem Telefon mich freuen. Manches ist witzig aber manches .... ist vorbei und lange her und vielleicht  weniger als "der Geist einer Erinnerung".
Obwohl..."Geist einer Erinnerung" oft schön ist. Ein Lächeln, ganz unerwartet. Und ich lächel zurück...
Erinnerungsgeister lauern überall. Manchmal halt im Telefon und manchmal schweben sie für einen Moment über einem Kompostklo am Meer. (Von dem ich nicht verrate, wo es ist, damit es jeder selber entdecken kann.)

Kein Geist aber doch etwas mysteriös ist mein letztes Lamm dieses Jahr. Ist die jetzt schwarz der braun in der Grundfarbe? Konnte man nicht sehen. Also ich nicht. (Der Gesamteindruck ist "braun" aber mir ging es um die Grundfarbe - zum Beispiel an den dicken "Augenbrauen", die ihrer Mutter den Namen "Frau Waigel" eingebracht haben.)
Zu der Kleinen läuft eine Wette um die Spende von Klos in Flüchtlingslagern.  (komplett belämmert) Ich habe gewonnen und aus Lou müßte nun eigentlich double Lou werden. Ich hab allerdings noch nicht verkündet, daß ICH RECHT HATTE! Ich brauche nämlich noch ein Bild, auf dem man das wirklich eindeutig sieht! Dieses hier ist schon mal nicht schlecht (Lou in der Mitte. Der Bruder und die Mutter haben Grundfarbe schwarz, was man eben nur an den Augenbrauen / oben auf dem Kopf sieht - der fuchsig rote Rest ist Phäomelanin, was bei der Wette keine Rolle spielt. Obwohl die beiden im rechten Licht wirklich beeindruckend rot leuchten!):


Und es gibt noch ein Schaf, daß ich nie so richtig auf's Bild bekomme. Mein schönstes Schaf mit dem absolut hübschesten Gesicht. Ich schwöre! Die ist einfach bloß nicht fotogen!


Montag, 15. Mai 2017

Schafflüstern

Vorletztes Wochenende waren ein paar meiner Schafe abgestellt für ein Trainingsseminar für junge Hütehunde. Die Hunde waren enthusiastisch, die Schafe... hatten sich das Wochenende etwas anders vorgestellt.....
Für mich war es total spannend, das ganze als Zuschauer und "aus Schafsicht" zu sehen. Vor allem mit Schafen, die ich so gut kenne. Da sieht man mal, was für einen unglaublichen Instinkt selbst die unerfahrenen Hunde haben. Nicht immer und vieles gilt es zu lernen. Noch viel mehr aber für die Hundebesitzer!

So ein junger Hund verliert schon mal die Schafe - die sind ja nicht blöd und können den Hund genausogut einschätzen. Zack - sind die Schafe weg und verstecken sich im dichten Gestrüpp. Das ist nichts für einen jungen, unerfahrenen Hund.

Was mich total gefreut hat: Ich hab das Vertrauen meiner Schafe. "Kommt mit Leute!" -"OK!"

Ich wollte immer mal einen Blogbeitrag schreiben "Wie man mit Schafen spricht". Aber so sonderlich befugt oder gar erfahren bin ich da nicht. Es gibt halt so Kleinigkeiten....
Ich habe in Norwegen eine Villsau-Züchterin kennengelernt, die da einfach grandios ist. Die schreibt übrigens an 'nem Buch dazu, das es auch auf englisch geben soll und dem ich schon entgegenfieber! Ich hatte viel zu wenig Zeit, mit ihr zu reden.

Dieses Bild bekam den Titel "die Schafflüsterin". Was mich ehrt. Aber das Geheimnis hinter DIESEM Bild kann ich schon mal verraten. Ich hab folgendes geflüstert: "Jungs! Mädels! Ich hab Euch ein Bier mitgebracht!"


Ich hab ja nicht viele Bilder, auf denen nicht nur Schafe drauf sind. Zum Größenvergleich gar nicht schlecht, wenn auch ein Mensch drauf ist. Das sind übrigens halbe Skudden. Vater war ein Skudden Flaschenlamm, dem die Dicke Dörthe bloß Gesellschaft leisten sollte! Ha!)

Ich würde den Bildern ja den Titel geben: "Ich muß dringend zum Friseur! Ich seh aus wie ein Hippie!"



Übrigens hasse ich es wie die Pest, wenn Menschen mit "einer Herde Schafe" verglichen werden. Nicht, weil Menschen da als dumm dargestellt werden. Sondern weil Menschen UND Schafe als dumm dargestellt werden.

Samstag, 6. Mai 2017

komplett belämmert

und das nicht erst seit gestern.... hübsch bunt ist es! Da lacht die Sonne auch an trüben Tagen!

Jetzt haben sich auch die letzten beiden entschieden, ihre Lämmer auszupacken. Islay hat scheinbar schon zur Kentniss genommen, daß ich nur Einlinge wollte.... aber wenn alle Zwillinge machen? Da hat sie halt eine unauffällige halbe Portion dazugepackt.


Der kleine Kerl holt schon auf und ist total witzig!


Auch den Mini Moi hätte ich lieber in weiblich gehabt. Der hat nämlich ein viel krisseligeres Lammfell als die meisten anderen und ich bin sehr gespannt, wie das mal wird.... Also sind es jetzt schon zwei, die sich um eine Anstellung als Faserhammel bei mir bewerben.....


Als letztes gab es dann nochmal Zwillinge. Im Design bleiben fast alle Lämmer im Thema. Aber mit genügend Variationen. So daß man auch als Farbgenetik...ääähhh... Enthusiast... ins Grübeln kommt.

Wir hätten da:
Agouti black and tan (gulmoget)

 

Agouti badgerface (katmoget)


Die beiden Muster in Kombination (vorne - heißt bei den Züchtern von Shetlandschafen "gulkat") und eine Kombination aus katmoget und Muster grau (oder "Schimmel", wie die Ouessant-Leute sagen) hinten. Dazu noch ne Prise Scheckung.



Muster bei Schafen addieren sich immer "im Hellen". Das liegt daran, daß das entsprechende Gen (Agouti) für ein Protein kodiert, daß einen Sonderfarbstoff einbaut. Phaeomelanin (tan). Dieses tan ist heller, fuchsiger. Ein Schaf, daß zwei Varainten davon trägt, bekommt also beide Befehle zum Einbau von tan. Der echte Farbstoff (das Eumelanin) wird nur da eingebaut, wo beide Varianten die Klappe halten. Bei diesem supercoolen Shetlandlamm sagt die bulmoget Variante: "Unten hell" und die katmoget Variante: "Oben hell". Bereiche mit tan sind auch meist mit gebändertem Haar - wie bei einem Wildkaninchen.

Als Varianten habe ich dann noch katmoget mit einer Sonderform der Scheckung und ganz reizend: Einfach nur einfarbig! (Oder Muster grau - sieht man noch nicht... graue Schafe bzw. Braunschimmel werden einfarbig geboren und mit geübtem Blick - auch auf die Zunge - kann man meist sehen, daß sie so nicht bleiben.)


Farben gibt es bei Schafen nur zwei. Schwarz und braun. Alles andere sind Muster. Auch weiß. 

Die Muster sieht man meist ganz gut. Die Farbe eigentlich auch. Nur manchmal.... ist das nicht ganz so klar. Bei diesem Zwillingspärchen zum Beispiel. Sie vorne und er hinten: Gleiche Grundfarbe oder nicht? Das helle bräunliche ist tan. Die Grundfarbe sieht man "im Dunkeln". Auf den Augenbrauen, über der Nase, an den Beinen.


Mein erster Gedanke war: Beide schwarz. Dann dachte ich, sie wäre braun...dann wieder schwarz.... Ich hab es unter Shetlandschafleuten zur Diskussion gestellt und da ist die Meinung eindeutig: Schwarz. Ich bin immer noch nicht überzeugt. Weder von dem einen, noch von dem anderen. 

Deshalb mein Aufruf: Ratet mit! Oder besser: Wettet mit! Die Chance ist fifty-fifty.... Der Einsatz: Wenn Ihr falsch liegt, spendet Ihr einen Betrag Eurer Wahl an eine Organisation Eurer Wahl. 10 cent in die nächste Spendenbox.....

Da ich unentschlossen bin, setze ich auf beides. Und da es mein Schaf ist, setze ich ein wenig mehr.... Den geringeren Einsatz auf "braun" weil ich da gerade hin tendiere. Ist sie braun, finanzier ich über Oxfam jemandem ein Lamm. Liege ich falsch und sie ist schwarz, ist mein Einsatz höher: Dann wird es - auch über Oxfam - ein Klo in einem Flüchtlingslager. 
Bisher gibt es schon ein paar Einsätze aus England. Alle auf schwarz. Aber coolerweise hat Jenny, die in Cumbria Shetlandschaf züchtet (von denen ich eine besonders tolle Locke noch immer in meinem Auto spazierenfahre!) den Einsatz übernommen. Nur in die andere Richtung. 5£ für Compassion in world farming und ein Bier für Jenny, wenn sie mit schwarz recht hat. Und ein Klo im Flüchtlingslager, sollte sich das Lamm doch als braun entpuppen! Und es gibt noch nen Einsatz für ein Klo.... (If brown, I'll do a loo too!)

Und damit komme ich der Namensfindung für mein Lamm schon näher.... Charity - war mein erster Gedanke. Aber jetzt heißt sie wohl Lou... 



Oh und bei Interesse an Tieren bitte Kontakt aufnehmen. Wir sind so grob im Raum Dresden. Kontakt aufnehmen geht irgendwie über das Profil.... oder Email -  vorne irina und dann flowingtide.de

Freitag, 5. Mai 2017

Praxistipp: Das Gewicht von Schafen schätzen

Ich kann ganz schlecht schätzen! Und das Gewicht von Schafen gleich gar nicht. Beim Entwurmen ist das blöd.... Man kann mal in der Rassebeschreibung gucken und von da aus ...irgendwie raten....
Aber es gibt einen Trick! Aus Amerika. Dafür braucht man nur ein Maßband und einen Taschenrechner (oder Zettel und Stift oder sehr gute Kopfrechenfähigkeiten).


Die originale Faustformel braucht Maße in Zoll und gibt das Gewicht in amerikanischen Pfund. Statt Taschenrechner habe ich meinen Bioinformatiker Kollegen hinzugezogen, um daraus cm und kg zu machen:

Umfang (direkt hinter den Vorderbeinen) X Umfang (direkt hinter den Vorderbeinen) X Rückenlänge (Widerrist bis Hüfthöcker bzw. Schwanzansatz) / 10924 = Gewicht in kg. 
(Also Umfang im Quadrat mal Länge durch Faktor)

Ich hab nur ein Schaf, das ich mir unter den Arm klemmen und mit auf die Waage nehmen kann. 71cm X 71cm X 52cm = 23,9kg. Gewicht laut Waage: 22kg

Ich sag jetzt nicht, auf was ich den geschätzt hätte.... aber dieses Ergebnis finde ich zum Entwurmen nah genug.
Oh: Und da ich schon mal auf der Waage war (ich hätte nicht mal mein eigenes Gewicht richtig geschätzt!) weiß ich jetzt, daß ich den Faktor für mich halbieren muß....

Falls jemand eine Schafswiegemöglichkeit (und ein Maßband und einen Taschenrechner/Zettel und Stift/ Kopfrechenfähigkeiten) hat und das mal ausprobieren mag: Ich würde mich über Rückmeldung freuen!




Sonntag, 30. April 2017

Hexenbrennen - Lausitz-Vodoo

Als ich hier her gezogen bin, fand ich das einen sehr seltsamen Brauch .... zur Walpurgisnacht Hexenpuppen zu verbrennen.... aber das erste Hexenbrennen war ziemlich genial! In Göda. Das sorbische Nationalensemble hat in coolen Kostümen eine tolle Show geboten. Alles, was im letzten Jahr schief gegangen ist, wurde "der Hexe" in die Schuhe geschoben. Global, national, regional - bis zu den Schlaglöchern auf der Dorfstraße. Die Hexe hat Schuld und wird dafür verbrannt. Und dann startet man in ein neues Frühjahr mit einem neuen, weißen Blatt!


Letztes Jahr wollte ich ganz viel Schmerz verbrennen. Und die Hexen brannten nicht. Dieses Jahr war anders. Unter meinen Lieblingsmond- ich hoffe, das bedeutet etwas....


Das ist schön! Diesen Mond zu sehen und zu hoffen, daß alle, die ihn jetzt sehen, ihn anlächeln! Und vielleicht 'nen Tune spielen!

Bei uns werden keine politischen Reden geschwungen - was mir ganz recht ist - würde ich sicherlich nicht ertragen.... aber so ganz unpolitisch: Nur mit Bier und Bratwurst - ist die freiwillige Feuerwehr ganz fetzig!


Donnerstag, 20. April 2017

Wieder was gelernt - Praktikerschulung Schaf und Ziege

Auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch. Thema war Klauenpflege und Schur und grundsätzliche Gesundheitssachen....

Die Fahrt nach Köllitsch war gar nicht lang aber irgendwie ist es dort (bei Torgau) schon ganz anders... irgendwie brandenburgisch. Also die Dörfer. Ganz anders. Und die Straßen sind auch nicht ganz so, wie hier... so schnieke Alleen haben wir auch - aber die sind nicht gepflastert.....


Einfach losfahren mit einem Ziel, das was mit Schafen zu tun hat: Toll! (Noch ein Grund, Lämmer zu haben. Die "binden einen fest". Damit ich nicht wegtreibe.... wenn ich einmal so losfahre könnte ich durchaus .... )


MEIN Lernziel für heute: Große Schafe auf den Hintern setzen! 
Und ein paar Tricks für's Klauenschneiden. Große Enttäuschung bei den Klauen. Es gibt kein Tricks! Klauenschneiden ist einfach ätzend! Und riesige Merinoklauen, die über Monate im Stall schön trocken standen, sind richtig, richtig ätzend!

So'n Klauenpflegestuhl ist aber ganz praktisch....





Das mit dem Hinsetzen (der großen Schafe) war fluffig. Dicke Merino-Fleischschafe und Schwarzköpfe sind irgendwie dafür gemacht. Zack bumm fluppen die auf den Hintern. Ziemlich cool! Zuhause habe ich das mit der dicken Dörthe gleich mal probiert: Nix da! Für die gilt das nicht. Die steht wie einbetoniert!

Geschoren haben wir auch. So ne richtige Maschine, bei der man nicht den Motor im Handstück hat, ist schon was feines! Wiegt nix und schneidet wie warmes Messer in Butter! Dafür ist die hier traditionelle Bankschur so gar nicht meins! Voll unpraktisch und (zumindest beim ersten mal) ein systemloses Durcheinander! So "neuseeländisch" macht man erst die nervigen Ecken, Kanten und Fitzelstücken und dann die schönen Flächen. Bankschur ist, als würde man beim Malern erst die Fläche machen und müßte sich dann mit den Kanten an Türen und Fenstern und Steckdosen rumärgern.... außerdem ist es unpraktisch, daß das Schaf so weit oben ist und man es gar nicht recht zwischen den Beinen hat. Es sei denn, man hat besonders lange Beine...


Merino-Fleischschafe haben richtig feine Wolle. Allerdings habe ich die bei der Stapel-"Länge" gleich mal gedanklich als ungeeignet abgestempelt für Handspinner. Aber gerade fällt mir ein, daß die ja ihre Lämmer scheren und daß wir zum Scheren Jährlinge hatten. Also nur ein halbes Jahr Wollwachstum.....


Der Gesundheitsteil war auch interessant aber nicht sonderlich fotogen....


Deshalb einfach noch ein Bild von einem Lamm...


und von 'nem Schaf, das sein Lernziel ebenfalls erreicht hat:


und ein hübscher Ausschnitt aus dem Gebälk:



Mittwoch, 19. April 2017

Ganz schön belämmert! Shetlandschafe und Mixe mit Skudde

Völlig belämmert bin ich noch nicht. Aber ganz schön.....

Hier gab es ein paar Jahre keine Lämmer und jetzt ist es bunt und wuselig (und laut!)
Lämmer sind irgendwie... echt... und richtig... ein Taktgeber im Jahr und was zum Erden.


Shetlandmix


Außerdem halten sie mich von einer spontanen Wochenend-Reise ab, die gar keine gute Idee wäre (mir aber trotzdem durch den Kopf ging)

Statt dessen werde ich Lämmer beobachten. Und vielleicht 'nen Tune spielen...

Ich bin ganz begeistert von meinen Mixen aus Shetlandschaf und Skudde! Es ist echt spannend zu beobachten, wie anders sie sich verhalten im Gegensatz zu den beiden Shetlandschafen. Eben auch im Umgang mit den Lämmern!
Helikoptermütter wie Skudden. (Dabei aber deutlich entspannter.) Das Lamm ist kaum auf der Welt, wird Rückruftraining gemacht. Und Lämmer bleiben gefälligst immer bei Fuß!


Die beiden Shetlandschafe dagegen parken ihre Lämmer an einem sicheren Ort und gehen fressen. Die Lämmer bleiben artig und ruhig da und warten. (Na ja - in den ersten Tagen. Danach ist wilde Lämmerhatz angesagt!)

Shetlandlamm gulmoget

Eines der schnuffeligen Shetland-Bocklämmchen. Käpt'n Flint der Gurkenhals!

Shetlandlamm gulmoget

.... und der ebenfalls sehr gelungene Bruder. DEN kann man mit seiner Tarnfarbe schnell übersehen!

Shetlandlamm gulkat

Ebenfalls zuckersüß. Und noch namenlos. Wie die Mutter. Mir scheint, ich hab da ein System...

Shetlandlamm katmoget


Sehr ähnliches Design mit einer Prise Skudde:

Hoxa

Und ein richtiger Exot was die Farbe angeht: Einfarbig braun! Hatte ich noch nie. Weder einfarbig noch braun!

Shetlandmix


Der kleine Kerl wird mal grau. 



Er und seine Schwester sind irgendwie.... anders.... gar nicht wie Shetlandschafe und auch nicht wie Skudde..... witzig....

Shetlandmix

Die sehen aus wie Schoßhündchen! Total übertriebenes Kindchenschema!


Von der "Behaarung" ist bei den Lämmern alles dabei. Fluffig, haarig, skuddig. Glatt und dicht, kleine Krisellocken. Angeblich sagt das über die spätere Wolle rein gar nichts aus und wenn ich die Lammbilder der ersten Mixe mit den ausgewachsenen Tieren vergleiche, stimmt das auch. Mein netter Hammel und die Halbschwester waren als Lamm komplett unterschiedlich und haben heute ziemlich tolle feine Locken, die man nur an der Farbe unterscheiden kann.

Wollhammel


Die beiden sind übrigens die einzigen, die nicht mischwollig sind. Die Mischwolligen habe ich - glaube ich - bisher komplett unterschätzt. Neulich habe ich beim Kraulen mal eine Locke mitgenommen und... hui... ja - man muß Deckhaar trennen, wenn man nur das Feine haben will aber das sieht gut aus! Ich hab noch zwei kardierte Vliese die ewig schon auf Spinnerei warten. Komme ich nicht zu.... Vielleicht sollte ich die Verkaufen... (da habe ich allerdings kein Deckhaar getrennt - alles durcheinander.) 



Apropos verkaufen: Ich werde auch die ersten Mixe abgeben. Die sind genial - gelungene Synthese beider Rassen. Ruhiger und zutraulicher als Skudden aber mit deren Standorttreue und Herdenzusammenhalt. Und überhaupt ganz klasse Tiere - nur leider wird hier der Stallplatz eng wenn ich alle behalte, die mir gut gefallen!